Leo stellt sich vor

Würde man meine Familie nach meiner Person fragen, würden sie mich als Revolutionär und vielleicht Hitzkopf der Familie bezeichnen. Ich denke aber, dass ich das Gespür für die richtigen Ideen hatte und meine Visionen sich ausgezahlt haben. Unter uns – das muss ich zugeben, galt ich in meiner Zeit als äußerst moderner, aufgeschlossener Mensch und Querdenker. Oft habe ich Kopfschütteln geerntet und vielleicht hatte auch meine Familie zeitweise höchste Bedenken. Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, der Mut, das Engagement und vielleicht auch der Trotz muss bereits in meinen Genen gelegen haben. Geboren wurde ich am 24.10.1884 in Hannover. Meine Eltern Friedrich und Leocadie Kasten waren für ihre Zeit auch ungewöhnliche Menschen. Damals wurden Ehen verabredet oder angebahnt – besonders aus wirtschaftlichen Interessen. Meine Eltern heirateten jedoch aus Liebe und mussten offensichtlich einige Widerstände überwinden. Ein Lied anlässlich der Silbernen Hochzeit erzählt davon: „Leocadie zu erringen, mühte Friedrich sich gar sehr, doch es wollt` ihm nicht gelingen, Vater sprach, nein, nimmermehr. Schickte sie zum Abgewöhnen nach Antwerpen schleunigst hin. Doch hält Friedrich ohne Wanken, wusste Rat in seiner Pein, hat den glücklichen Gedanken, vorzufahren ganz allein. Und an Wunstorfs Haltestelle sprang er mit fröhlichem Jucheh er mit turnerischer Schnelle eilig zu ihr ins Coupé.“

 

Die Familie Kasten

Die Familie Kasten

Mein Vater war ein Hotelier der alten Schule, pflichtbewusst, souverän aber durchaus patriarchalisch. Sein Bestreben war die Renovierung und Modernisierung des Betriebes. Meine Mutter kümmerte sich um die Erziehung meiner jüngeren Schwester Marie und mir. Rauschende Feste wurden im Kastens gefeiert. Ich erinnere mich gut an die eleganten Damen, den glitzernden Schmuck und die blanken Schuhe der Herren, die meine Schwester und ich gerne beobachteten. Auch meine Mutter begrüßte in schönster Robe Gäste wie den großen Enrico Caruso. Im Jahr 1916 folgte ich Paul von Hindenburg nach Belgien. In St. Quentin bei Charleville richtete ich gemäß der Familientradition eine Gaststätte ein und machte mir mit meinen Speisen und Getränken einen Namen. Mein Vater war sehr stolz und unsere Arbeit trug Früchte. Unser Hotel wurde im gleichen Jahr erweitert und so führten mein Vater und ich Kastens Hotel und den Luisenhof. Beide Häuser verfügten nun über mehr als 300 Betten. Mein Vater erkrankte drei Jahre später und setzte mich als Geschäftsführer ein. Meine Schwester Marie wurde zur „feinen Dame“ in England erzogen und heiratete. Noch im gleichen Jahr verstarb mein Vater und meine Schwester und ich erbten die Hotels.

Leos Schicksal

Leos Schicksal

Die Führung der Häuser lag jedoch weiterhin in meiner Hand. Ich hatte große Pläne! Um die Zimmer und Säle mit Wärme zu versorgen, ließ ich ein Kesselhaus mit Dampfturbinen errichten, zur Wasserversorgung einen eigenen Wasserturm + Wäscherei, zur Energieversorgung kaufte ich Generatoren. Welch ein Aufsehen habe ich damit erregt. Ich wurde anfangs belächelt, andere waren fassungslos und vermuteten, ich würde mein Erbe verprassen. Ratschläge, Kritik und Hohn prasselten auf mich ein. Was soll ich sagen? In den folgenden Zeiten der Streiks war unser Hotel eine Insel und wir konnten einen laufenden Betrieb vorweisen, der gänzlich unabhängig war. Mein größtes Vergnügen waren jedoch Automobile. Ich war der erste Bürger Hannovers, der eine Kraftdrosche sein Eigen nennen durfte. Stolz habe ich es den Hannoveranern bei meinen Fahrten  präsentiert. Immer mehr Gäste kamen mit ihren Wagen zu uns. Unbedingt brauchten wir daher eine Garage und Tankstelle. Ein unvorstellbarer Luxus für diese Zeit. Leider war meine große Liebe zum Automobil auch mein Schicksal. Am 28. November 1921 wurde ein Pferd durch den Anblick meines Autos so wild, dass es mich mitsamt seines Leiterwagens rammte und unter sich begrub.

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